​Unsere Demokratie gerät zunehmend unter Druck. Die Ursachen dafür sind vielschichtig und reichen von politischen über wirtschaftliche bis hin zu gesellschaftlichen Faktoren. Eine entscheidende Rolle spielt dabei auch die Digitalisierung und die wachsende Abhängigkeit und die Macht von den großen IT-Konzernen.

Wir sind quasi in die Abhängigkeitsfalle getappt. Aber nach wie vor werden Schulen mit Software von Apple/Google/Microsoft ausgestattet, ohne dass von den Verantwortlichen Stellen (BMB/BIDI/Direktionen/LuL.) auf die Probleme, die das verursacht hingewiesen, oder noch besser Alternativen aufgezeigt, angeboten oder implementiert werden. Digitale Souveränität ist das Gebot der Stunde, um sich aus der Umklammerung dieser Konzerne zu lösen.

Was versteht man unter digitaler Souveränität?

Souverän ist, wer unabhängig und selbstbestimmt handelt. Digital souverän ist, wer digitale Technologien und IT-Infrastrukturen selbstbestimmt gestaltet, nutzt und dabei die Hoheit über die eigenen und anvertrauten Daten behält. [1]

Konkret würde das für Schulen heißen.

  • Man versteht und kontrolliert die Systeme und Datenflüsse. Das ist bei proprietärer Software sowohl lokal als auch in der Cloud unmöglich.
  • Man nutzt Freie Open Source Software, bei der offen liegt, welche Daten wie und wo verarbeitet werden.
  • Man nutzt offene Standards oder eigene Lösungen, um Abhängigkeiten von einzelnen Herstellern zu vermeiden.

Die digitale Souveränität unserer Gesellschaft ruht auf drei Säulen. Alle drei sind gleich bedeutsam. Gerät nur eine Säule ins Wanken, sind auch die anderen in Gefahr.

Die Vergangenheit hat bereits eindrücklich gezeigt, welche Folgen Abhängigkeiten haben können. Die starke Abhängigkeit von russischem Gas führte zu massiven Preissteigerungen. Auch bei wichtigen Rohstoffen wie seltenen Erden und Lithium kommt es regelmäßig zu erheblichen Lieferengpässen. Und selbst im medizinischen Bereich bleiben Versorgungsengpässe auch nach der Pandemie ein wiederkehrendes Problem. Aus diesen Erfahrungen heraus hätten auch die richtigen Schlüsse für die Digitalisierung gezogen werden müssen.
Trotz vieler Warnungen hat man dankend die Cloud-Angebote von Apple/Google/Microsoft angenommen und man hat sich immer tiefer in die Abhängigkeit begeben. Diese Konzerne haben die Schulen mittlerweile für sich institutionalisiert und das BMB hat hier tatkräftig mitgeholfen. Weder bei der Geräteinitiative noch für schulische IT-Infrastruktur gibt es offizielle und unterstützte Alternativen – Apple/Google/Microsoft allein auf weiter Flur. Und jende, die hier gegen den Strom schwimmen, werden Steine in den Weg gelegt und müssen sich tagtäglich bei der Kollegenschaft/Direktion/SuS. sowie Eltern für dieses „Ausscheren“ rechtfertigen.

Sowohl als LuL. als auch als SuS. kann man derzeit nicht digital souverän agieren, da einem Accounts von Apple/Google/Microsoft aufgezwungen werden. Man hat nicht die Datenhoheit und keiner weiß, was mit unseren Daten in diesen Konzernen tatsächlich passiert. Manche Daten werden für KI-Training verwendet, manche Daten werden für Werbung benutzt und wiederum andere werden einfach an Dritte weitergegeben.

Dass Daten abfließen, musste ja Microsoft mittlerweile auch zugeben. Auf eine entsprechende Reaktion aus dem BMB wartet man aber vergeblich. Es wird einfach ignoriert. [2]

Darüberhinaus kommt die sehr frühe Bindung an bestimmte Programme – ganz im Sinne der Konzerne und ganz im Widerspruch zur digitalen Souveränität. Manche nennen es „Das Drogendealer-Modell“. [3] Erhalten Kinder im Alter von 10/11 Jahren ein iPad ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass diese Personen auch im Erwachsenenalter im Apple-Ökosystem bleiben – zum Vorteil der Konzerne, die ihre Vormachstellung hier gezielt ausnützen. Es enstehen also Abhängigkeiten – auch als „Vendor-Lockin“ bezeichnet. Dieser Vendor-Lockin kostet dem Staat aus mehreren Gründen sehr viel Geld.

1.) Die Konzerne können die Preise fast beliebig erhöhen, weil eine Migration zu Alternativen zu teuer ist. Ein gutes Beispiel hierfür ist Broadcom, das VM-Ware gekauft hat und rasch die Preise zw. 800 und 1500 Prozent erhöht hat. [4]

Microsoft ist da aber auch dabei. [5]

2.) Durch die Nutzung von Cloud-Produkten großer Konzerne fließen Lizenzkosten hauptsächlich ins Ausland, wodurch meist keine oder nur eine sehr geringe direkte Wertschöpfung im Land entsteht. Würden diese Cloud-Dienste bei österreichischen/europäischen Unternehmen zugekauft werden, könnten hier Arbeitsplätze und Wertschöpfung entstehen. Siehe https://www.educloud-austria.at/, die leider keine Zuwendungen des BMB erhalten hat. [6]

3.) Vendor Lock-in schränkt die Flexibilität von Unternehmen stark ein, da sie an proprietäre Technologien, spezifische Tools und Dienstleistungen eines Anbieters gebunden sind. Diese Abhängigkeit führt dazu, dass Unternehmen ihr technologisches Know-how vor allem im Kontext des jeweiligen Anbieters aufbauen und andere technische Alternativen kaum mehr beherrschen können. Dadurch geht unter Umständen wichtiges technologisches Wissen im Land verloren, das für den Wechsel zu anderen Technologien notwendig wäre. Ein Bsp. im schulischen Kontext dazu. Die edugroup in OÖ hat vor vielen Jahren E-Mails für die Domain „eduhi.at“ sowie „edumail.at“ selber gehostet. Irgenwann wurde der Dienst zu Microsoft ausgelagert und damit ist auch das Know-How für dieses Service verloren gegangen.

4.) Die Cloud ist nicht immer die günstigste Lösung. [7]

Eine Schulgemeinschaft muss die Mechanismen der Datenökonomie und die Interessen ihrer Profiteure hinterfragen, um unsere Autonomie über die Systeme sowie die Kontrolle über unsere eigenen Daten zurückzugewinnen.

Wenn wir unsere Schülerinnen und Schülern den Weg in ein eigenverantwortliches und selbstbestimmtes Leben eröffnen wollen, ist es sinnvoll, ihnen in einer digitalen Welt zu vermitteln, wie digitale Souveränität erreichbar ist. Dabei spielt Freie Open-Source-Software die entscheidende Rolle.

Open Source wirkt wie ein Katalysator für Digitale Souveränität – ein Beschleuniger, der entscheidende Veränderungen ermöglicht, ohne selbst im Mittelpunkt stehen zu müssen. Durch offene Quelltexte, Kollaborationsmöglichkeiten sowie die freie Änder-, Verwend- und Verteilbarkeit schafft Open Source Transparenz, Sicherheit und Vertrauen. Es erlaubt Organisationen, ihre digitale Infrastruktur unabhängiger von einzelnen Anbietern zu gestalten und selbstbestimmt weiterzuentwickeln, anstatt fremde Lösungen nur zu konsumieren. So stärkt Open Source nicht nur technologische Unabhängigkeit, sondern auch die Fähigkeit, digitale Zukunft aktiv und resilient zu gestalten und ist daher ein zentrales Gestaltungselement jeder Strategie zur Digitalen Souveränität.

https://www.pwc.de/de/risk-regulatory/risk/open-source-software-management-und-compliance/digitale-souveraenitaet-kritikalitaet-erkennen-und-strategisch.html

Das macht auch der Proton-Chef Andy Yen deutlich:
„Warum kaufen europäische Schulen heute Technologie von amerikanischen Unternehmen? Warum machen wir die nächste Generation von Europäern mit amerikanischer Technologie vertraut und binden sie an ihre Ökosysteme?“

Ingrid Brodnig formuliert das in einem Profilbeitrag so: „Schulen und speziell Ministerien haben eine besondere Verantwortung, welche Software sie großflächig für Schüler:innen einführen.“

Dieser Verantwortung ist das BMB aber nie nachgekommen.

Ein entsprechender Entschließungsantrag liegt dem Parlament vor. [8] Zusammenfassend heißt es dort:

Jetzt ist die Zeit, Bildung nicht als Markt, sondern als öffentliches Angebot zu denken, das frei, souverän, datenschutz- und demokratiekonform sein muss.

Es ist besser, heute die Komfortzone zu verlassen, um unsere Demokratie zu wahren, als morgen in einer autokratischen oder dystopischen Gesellschaft aufzuwachen. Es ist Zeit zu handeln.

Beitragsbild: Image by Gerd Altmann from Pixabay

Referenzen:

[1] (https://www.dataport-kommunal.de/ihre-themen/digitale-souveraenitaet/)

[2] https://noyb.eu/de/microsoft-violates-childrens-privacy-blames-your-local-school
https://www.heise.de/news/Microsofts-Souveraenitaets-Debakel-Zwischen-blumiger-Werbung-und-keine-Panik-10495023.html
https://www.heise.de/news/Nicht-souveraen-Microsoft-kann-Sicherheit-von-EU-Daten-nicht-garantieren-10494684.html

[3] https://www.kuketz-blog.de/kommentar-microsoft-google-apple-und-co-aus-bildungseinrichtungen-verbannen/

[4] https://www.heise.de/news/EU-Cloudanbieter-Broadcom-hat-VMwarelizenzen-um-800-bis-1500-Prozent-verteuert-10394816.html

[5] https://www.heise.de/news/EU-Cloud-Wettbewerber-Microsofts-Preissteigerungen-reichen-an-Erpressung-8848157.html
https://www.heise.de/news/Bis-zu-40-Prozent-teurer-Microsoft-plant-saftige-Preiserhoehungen-10039322.html
https://www.heise.de/news/Microsofts-Volumenlizenzen-fuer-Online-Dienste-vor-dem-Aus-10538467.html

https://www.it-daily.net/it-management/cloud-computing/microsoft-nutzt-lock-in-effekt-in-der-cloud-fuer-preiserhoehungen
https://www.itprotoday.com/software-development/the-rising-cost-of-vendor-lock-in

[6] https://www.parlament.gv.at/dokument/XXVII/AB/16244/imfname_1603778.pdf
https://linux-bildung.at/2023/06/aus-fuer-die-educloud-austria/

[7] https://www.heise.de/news/Raus-aus-der-Cloud-Der-Eigenbetrieb-rechnet-sich-mehr-als-gedacht-9990467.html

[8] https://www.parlament.gv.at/dokument/XXVIII/A/211/fname_1679658.pdf

Literatur:

https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20200916_OTS0040/warum-digitale-souveraenitaet-bereits-in-der-schule-beginnt-neuer-neuland-podcast-mit-prof-christoph-meinel-hpi-und-dr-johann-bizer-dataport

https://www.forumbd.de/veranstaltungen/digitale-souveraenitaet-im-schulsystem

https://blog.dbildungscloud.de/digitale-souveranitat-beginnt-in-der-schule
https://integrierte-forschung.net/projekte/sodile/

https://lankau.de/2025/01/29/digitale-souveraenitaet-statt-konformismus/

https://www.bechtle.com/ueber-bechtle/newsroom/new-horizons/2025/positionierung-digitale-souveraenitaet

https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/wofuer-sap-jetzt-20-milliarden-euro-investiert-110666887.html

https://www.bidt.digital/glossar/digitale-souveraenitaet/

https://www.digitalaustria.gv.at/dam/jcr:8a8a4469-0945-444f-8083-566feb44fdd9/2023_11_27_KommPaper_DAA_Sicherheit_Souveraenitaet%20AT.pdf

https://fair.digital/2021/03/definition-digitale-souveraenitaet-was-ist-digitale-souveraenitaet/

https://www.cio.bund.de/Webs/CIO/DE/digitale-loesungen/digitale-souveraenitaet/digitale-souveraenitaet-node.html

https://www.educa.ch/de/news/2024/digitale-souveraenitaet-baut-eine-digitale-zukunft-auf

https://magazin.forumbd.de/haltung/caja-thimm-digitale-souveraenitaet-laesst-sich-nicht-nebenbei-auf-dem-schulhof-lernen

https://www.bitkom.org/sites/main/files/2020-01/200116_stellungnahme_digitale-souveranitat.pdf​

Kategorien: AllgemeinPrivatsphäre

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