Vor mehreren Wochen wurden zwei Anfragen über die Plattform fragdenstaat.at an das BMB gestellt. Es ging einerseits um Lizenzkosten (MSACH) und um die Monopolstellung von Microsoft im Bildungsbereich.

Mittlerweile hat das BMB diese Fragen beantwortet. Das MS-ACH (Microsoft High-School-Agreement) hatten in den letzten Jahren folgende Kosten verursacht. Hinweis: Für die Microsoft-Lizenzen an Mittelschulen zahlt nicht der Bund!

JahrBetrag
20253.717.844,89
20243.693.337,97
20233.133.324,88
20223.146.492,59
20213.330.583,60

Open Source-Software kommt an den Schulstandorten zum Einsatz und ist auch Bestandteil des Unterrichts und so auch im Lehrplan verankert. Näheres hierzu folgt unten Schulen sind in Ihrer Entscheidung zur Auswahl der zu Unterrichtszwecken eingesetzten Software autonom – entsprechend ist uns der Einsatz konkreter Software nicht bekannt.

https://fragdenstaat.at/anfrage/monopolstellung-von-microsoft-in-oeffentlichen-bildungseinrichtungen-und-die-kosten/#nachricht-12884

Diese Aussage zu Open Source-Software ist interessant. Sie sagt ganz einfach, die Schule entscheidet, welche Software am Standort zum Einsatz kommt. Das ist aber aus meiner Sicht nur die Halbe Wahrheit. Werden Schulen in irgendeiner Form unterstützt, die Open-Source-Software einsetzen? Mit ist kein Supportangebot aus dem BMB bekannt, an dem ich mich z.b bei Problemen mit FOSS wenden könnte.

Die Antwort aus der 2. Anfrage zeigt aber auf, dass die Schulen nicht mehr autonom entscheiden:

Da die IT-Systembetreuung der Bundesschulen durch die Bildungsdirektionen (BD) erfolgt, entscheiden diese, welche Hard- und Software serviciert werden können. Die Bildungsdirektionen haben begrenzte personelle Ressourcen und können mit diesen nicht jedes denkbare – schulautonom ausgewählte – Produkt betreuen. Vereinheitlichte IT-Systeme lassen sich ressourcenschonender betreuen als eine Vielzahl individueller nicht abgestimmter Lösungen. Schrittweise Standardisierungen finden daher in allen Bundesländern statt, abhängig von den Vorgaben der jeweiligen Bildungsdirektion.

https://fragdenstaat.at/anfrage/lizenzkosten-microsoft-microsoft-austrian-college-und-high-school-agreement/

Das BMB sagt also offiziell, „die Schulen können sich die Software selber aussuchen“ und ist somit fein raus aus der Geschichte. Im selben Atemzug sagen die BiDis „wir müssen Vereinheitlichen und Standardisieren und können nicht jede Hard- und Software servicieren.“ (https://www.bmb.gv.at/Themen/schule/zrp/dibi/itinf/it_standardisierung.html) Damit ist FOSS ganz einfach raus aus den Österreichischen Schulen.

Es bräuchte von ministerieller Seite die klare Vorgabe, dass auch immer eine Open-Source-Alternative unterstützt werden muss. Also beim Betriebssystem für die Geräte an der Schule z.B. Debain/Ubuntu/Linux-Mint/… für das Office-Paket z.B. LibreOffice/OnlyOffice/Collabora,… MDM z.B ansible…
dann hätten die Schulen auch tatsächlich eine Wahl.

Die Generallizenzen des BMB dürfen keine Monopolbildungen proprietärer Software begünstigen (https://www.bmb.gv.at/Themen/schule/zrp/dibi/itinf/it_angebote/ms-ach.html). Stattdessen schlagen wir einen Software-Marktplatz für alle Schulen vor, in dem zwischen alternativen Produkten gewählt werden kann. Sollte ein Produkt gewählt werden, dessen Konditionen vom BMB zentral verhandelt wurden, wird das Software-Budget entsprechend belastet. Sollte hingegen ein freies Produkt gewählt werden, muss das gesparte Geld im Sinne einer Schulautonomie anders genutzt werden können (z.B. Anschaffung von Hardware oder anderer Spezialsoftware für den Unterricht).

Die Aufzählung, wo nicht überall Open-Source-Software durch das BMB zum Einsatz kommt eduvidual.at, bildungsportal, eduthek und next-exam ist ja schon bekannt. Bei eduvidual wird seit Jahren gespart und Ende letzten Jahres haben sie zum Leidwesen mancher Schulen die Webuntis-Integration gekappt. Next-Exam kommt von „unten“ als von LuL. für LuL. und wird mittlerweile auch tatsächlich vom BMB entsprechend unterstützt. Die eigentliche Anfrage müsste also lauten: „Wie viele Geld hat das BMB in den letzten 15 Jahren in digitale Prüfungsumgebungen investiert, die nicht next-exam zuzurechnen sind.“ Vor allem sind diese Prüfungsumgebungen nie in den Schulen angekommen und haben vermutlich ein vielfaches von dem gekostet, was next-exam jemals kosten wird.

Zusätzlich zur Entwicklung eigener FOSS-Lösungen engagiert sich das BMB für ein digital souveränes, digital starkes und digital kompetentes Europa im Rahmen der Mitgliedschaft in der Open Source Software Business Innovation Group (OSSBIG) durch die intensive Vernetzung und Koordination mit anderen Stakeholdern im Bereich der freien offenen Software.

https://fragdenstaat.at/anfrage/monopolstellung-von-microsoft-in-oeffentlichen-bildungseinrichtungen-und-die-kosten/#nachricht-12884

Das mag durchaus stimmen, dass das BMB bei OSSBIG Mitglied ist. Aber in Bezug auf digitale Souveränität sehe ich wenig Engagement. Keine wirklichen FOSS Angebote bei der Geräteinitiative. Kein Support für FOSS Schulen, die Digitale Souveränität bereits leben. Keine Abkehr vom MS-ACH. Alle LuL. haben mit @bildung.gv.at eine E-Mail-Adresse bei Microsoft. Auch bei den Firewalls setzt man auf proprietäre Produkte und nicht auf günstigere freie Alternativen wie z.B. opnsense. Im Ministerium selbst setzt man ebenfalls proprietäre Produkte ein ( z.B. Jira oder Confluence). Freie Alternativen dazu gibt es natürlich und würden das BMB auch unabhängiger machen.

Wer sich übrigens für die Ausgaben des BMB interessiert, der findet hier eine gute Quelle:

https://ausschreibungen.usp.gv.at/at.gv.bmdw.eproc-p/public/tenderlist?fromdate=&todate=&loaded=true&q=bmb

Kategorien: Allgemein

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