Am 3. März 2026 fand das 1. Webinar zur Digitalen Souveränität statt, welches von der OeAD (einer Organisation des BMB) in Kooperation mit der VPH durchgeführt wurde. Als Referenten waren Martin und ich von OSOS Austria im Einsatz.


Die Zunahme weltweiter Verflechtungen in Politik, Wirtschaft, Umwelt usw. bekam in den 1960er Jahren erstmals einen eigenen Begriff: Globalisierung

Als Vorläufer der Globalisierung kann die Kolonialisierung angesehen werden. Kritische Beobachter sehen mittlerweile einen digititalen Kolonialismus aufkommen und in Folge einen Wechsel der anfänglichen Errungenschaften der Globalisierung hin zu einseitigen (digitale) Abhängigkeiten.

Das Thema Souveränität rückte erstmals durch den Krieg zwischen Russland und der Ukraine in die breite Öffentlichkeit als es darum ging, die enorme Abhängigkeit von Russischem Erdöl und Erdgas zu reduzieren.

Wesentlich schwerwiegender, wenngleich oft auch verborgener, zeigt sich die unglaubliche digitale Abhängigkeit von den USA.
Die Internet-Suche wird von Google dominiert, Social Media wird von Meta besetzt (Facebook, Instagram, WhatsApp), das Schauen kostenloser On-Demand Videos läuft zum größten Teil über YouTube (Google), E-Commerce wird von Amazon eingenommen und viele Software-Produkte werden von Microsoft, Google oder Apple als unersetzlich verkauft. Es kam zu einer höchst problematischen Bildung von Oligopolen und Monopolen und noch nie dagewesener Machtkonzentration.

Kaum besser zeigt sich die digitale Abhängigkeit von China im Bereich der kritischen Rohstoffe (seltene Erden) oder im Hardware-Sektor (Huawei als globaler Netzwerkausrüster, Chip-Produktion, …).

Digitale Souveränität ist als goldene Mitte zwischen „Digitaler Abhängigkeit“ (andere entscheiden über uns) und „Digitaler Autarkie“ (wir machen alles selbst) zu verstehen.

  • Digitale Abhängigkeit: fehlende Fähigkeit, Technologien in punkto Sicherheit zuverlässig zu bewerten und selbst mitzugestalten (Problem von proprietärer closed Source Software)
  • Digitale Souveränität: eigene Fähigkeiten in Schlüsseltechnologien, Diensten u. Plattformen (bzw. zwischen Entscheidung aus Alternativen vertrauenswürdiger Partner)
  • Digitale Autarkie: alles selbst erstellen (trotz vertrauenswürdiger Partner und/oder besserer Alternativen)

Dass vertrauenswürdige Partnerschaften immer öfter in ihren Grundfesten erschüttert werden, sehen wir gerade am Beispiel der USA in der 2. Amtszeit von Donald Trump.

Digitale Souveränität baut auf 3 Säulen auf:

  • Bürgerinnen und Bürgerinnen (Schutz der Privatsphäre z.B. vor Überwachung | Vertrauen in die verwendete Technologie | Selbstbestimmung: nicht von einer Technologie abhängig sein, z.B. von
    einem autokratischen Regime)
  • Organisationen und Unternehmen (Wettbewerbsfähigkeit ↔ Vendor Lock-in wo Preise diktiert und Daten u.a. in der Cloud ausspioniert werden können)
  • Staat (Aushöhlung d. Demokratie z.B. durch unsoziale Medien – libertäre Bewegung von Trump, Musk, Thiel & Co. – Hate Speach, Fake News, …)

FOSS-Software ist ein wichtiger Punkt, wenn man „Freiheit“ erlangen möchte.

Zentral sind hierbei 4 Freiheiten.

  • für jeden Zweck ausführen
  • Funktionsweise untersuchen und anpassen
  • weiterverbreiten
  • verbessern und Verbesserungen der Öffentlichkeit preisgeben

Der Grundgedanke Freier Software wird von vielen Initiativen und Vereinen getragen, u.a. Open Source Initiative (weltweit), FSFE (Europa) und OSOS (Österreich).

Folgendes Video von der FSFE illustriert sehr schön den Wert bzw. die Notwendigkeit von Freier Software:

Seit 1995 gibt es eine Richtlinie in der EU zum Schutz der Privatsphäre von natürlichen Personen bei der Verarbeitung von personenbezogenen Daten – daraus resultierte das Datenschutzgesetz 2000 in Österreich.

Seit 2000 existiert das Regelwerk Safe Habor: durch den Beschluss sollte es Unternehmen ermöglicht werden, personenbezogene Daten in Übereinstimmung mit der europäischen Datenschutzrichtlinie aus einem Land der Europäischen Union in die USA zu übermitteln.

2015 Safe Harbor † (Schrems I) → 2016 Privacy Shield
2020 Privacy Shield † (Schrems II) → 2023 EU-US Data Privacy Framework

Das aktuelle Datenschutzübereinkommen droht ebenfalls für unrechtmäßig definiert zu werden. Grundsätzlich gilt: Daten, die in Europa digital souverän verarbeitet werden, müssen nicht in die USA übertragen werden!

Was früher undenkbar war, ist nun Realität.

  • Fall 0: Der US-amerikanische Softwarehersteller Adobe sperrt am 28. Oktober 2019 auf Anweisung von Donald Trump die Konten und den Cloud-Zugriff von Nutzern in Venezuela.
  • Fall 1: Microsoft hat nach Trump-Sanktionen das Mail-Konto des Chefanklägers des Internationalen Gerichtshofs Karim Khan blockiert (Grund war eine Anklage von Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Yoav Gallant)
  • Fall 2: Alle Konten des IStGH-Richters Nicolas Guillou bei US-Unternehmen wie Amazon, Airbnb oder PayPal wurden gesperrt. (Grund war ebenso die Anklage von Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Yoav Gallant)
  • Fall 3: Elon Musk verweigerte der EU-Kommission die Schaltung von Inseraten auf X nachdem diese eine 120 Mio. € Strafe verhängt hatte.

Was nicht passend ist, wird passend gemacht.

Mittlerweile arbeiten mehr (Tech-)Lobbyistinnen in Brüssel als das Europäische Parlament Abgeordnete hat (Ausgaben von ca. 150 Mio. € in 2025 von Big Tech Unternehmen für Lobbying).

Nicht eingerechnet ist hier verstecktes Lobbying beispielsweise durch geschickte Produktplatzierung etwa im Bildungsbereich begünstigt durch extreme Preisnachlässe.

Einflussnahmen bei der Gesetzgebung erfolgten etwa bei der DSGVO, beim DSA (Digital Service Act), beim DMA (Digital Markets Act), bei Fragen zum Urheberrecht sowie bei Steuerreformen.

Auf Österreichische Initiative verabschiedeten alle EU-Mitgliedsstaaten die „Europäische Erklärung zur digitalen Souveränität„. Staatssekretär für Digitalisierung Alexander Pröll äußerte sich dazu wie folgt:

„Die Erklärung ist ein europäischer Meilenstein. Jetzt geht es darum, sie mit Leben zu füllen – durch offene Standards, gemeinsame [Europäische] Cloud-Infrastrukturen, vertrauenswürdige KI und starke digitale Bildung.“

Gerade im Bildungswesen ließe sich leicht eine Abkehr von den US-Produkten umsetzen und mit bestem Beispiel vorangehen. OSOS Austria Schulen haben dies bereits seit vielen Jahren umgesetzt!

Bei Software denken viele Leute hauptsächlich an die Produkte aus dem Silicon Valley, sei es bei Betriebssystemen, Bürosoftware, Videokonferenzsystemen, Suchmaschinen, KI oder auch bei grundlegenden Diensten wie dem DNS. Dabei gibt es für all diese Dinge europäische Alternativen, viele davon sogar als FOSS-Software

  • Linux als Betriebssystem (grundlegend entwickelt vom Finnen Linus Torvalds)
  • LibreOffice als Offline-Bürosoftware (The Document Foundation mit Sitz in Berlin)
  • Nextcloud als Alternative zu Google-Drive / Microsoft One-Drive (Nextcloud GmbH, Stuttgart)
  • Collabora Online (Cambridge) bzw. Onlyoffice (Ascensio → Riga, Lettland) als kollaborative Office-Software als Alternative zu MS 365 bzw. Google Docs & Co.
  • OpenTalk (Berlin) als Videokonferenzsystem statt Zoom oder Teams
  • Ecosia (Berlin) als Proxy zu Google / Bing
  • Mistral AI (Paris) als KI
  • SAP (deutscher Konzern, der weltweit tätig ist) → Buchführung, Controlling, …
  • DNS4EU statt DNS von Google & Co.

In Europa gibt es immer mehr Initiativen hin zu Freier Open Source Software:

Im November 2025 haben alle 27 Mitgliedsstaaten der EU die von Österreich initiierte „Declaration on European Digital Sovereignty“ verabschiedet. Daraus ergeben sich 7 Handlungsfelder für Österreich welche für Gesellschaft, Wirtschaft und Verwaltung relevant sind:

  • Gesellschaft: mehr Datenschutz, sicherere Dienste v.a. im Hinblick auf digitaleIdentität
  • Wirtschaft: Offene Standards und europ. Unabhängigkeit → faire Wettbewerbsbedinungen
  • Verwaltung: macht Staat resilienter und effizienter; Schutz der Demokratie

Auch in Österreich gibt es bereits einige Initiativen hin zu mehr Digitalen Souveränität in der Verwaltung:

  • Justiz: „Justiz 3.0“ → digitaler Justizarbeitsplatz (DJAP); vollständige digitale Akten- und Verfahrensführung > Projekt Justitia 4.0 mit der Schweiz (LibreOffice statt MS Office)
  • Landesverteidigung: Umstellung auf LibreOffice (2025)
  • Wirtschaft, Energie und Tourismus: Nextcloud für Kollaboration
  • Bildung: Bildungsportal (BIP), Lernplattform (eduvidual.at), OER-Repository (eduthek), technologieunterstütztes Prüfen (next-exam)

Wie kann man selbst Schritte zur Digitalen Souveränität setzen?

Um im Unterricht authentisch Digitale Souveränität vermitteln zu können, sollte man sich als Lehrkraft auch selbst mit digital souveränen Lösungen im Vorfeld vertraut machen.

  • Betriebssystem: Linux (sicher, stabil, vielseitig anpassbar)
  • Office: LibreOffice (freies Dokumentenformat, für professionelle Ansprüche)
  • Browser: Mozilla Firefox (einziger Browserhersteller mit freier Browser-Engine)
  • Messenger: Signal (die bessere Alternative zu WhatsApp)

Linux gibt es bereits seit 1992 (d.h. über 30 Jahre).

Es gibt nicht das EINE Linux Betriebssystem, sondern viele verschiedene DISTRIBUTIONEN mit bestimmten spezifischen Anpassungen.

Weltweit ist Linux mittlerweile das meistverwendete Betriebssystem. Android verwendet übrigens auch den Linux-Kernel als Basis.

Bekannte Linux-Distributionen für den Desktop sind: Ubuntu, Fedora, Mint, …

Ressourcen-schonende Linux-Distributionen lassen sich auch auf älterer Hardware gut nutzen. Man bedenke, dass alleine durch das Aus von Windows 10 mehrere Hundert Mio. Rechner auf dem Elektromüll landen – diese wären mit Linux noch etliche Jahre verwendbar (Nachhaltigkeit).

Alle modernen Webbrowser basieren im wesentlichen auf 3 Technologien:

  • Mozilla Firefox → Browser Engine Gecko
  • Google Chrome, Microsoft Edge, Opera, Brave, Vivaldi → Browser Engine Blink
  • Safari → Browser Engine WebKit

Eine zentrale Software Komponente wird von wenigen Firmen (Google, Apple) dominiert. Bei Mozilla handelt es sich um eine gemeinnützige Stiftung. Mozilla Firefox ist durch zahlreiche Plugins anpassbar.

LibreOffice ist kostenlos für Linux, macOS und Windows verfügbar.

Es beinhaltet die Komponenten Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Präsentation, Vektografik, Formeleditor und Datenbank.

In Österreich wird LibreOffice mittlerweile im Justizministerium und im Verteidigungsministerium verwendet. Aber gerade im Schulwesen sollte LibreOffice die bevorzugte Office-Anwendung sein, da sich alle Anforderungen damit hervorragend umsetzen lassen und die Applikation auch nach Beendigung der Schullaufbahn weiterhin kostenlos genutzt werden kann.

Das freie Dokumentenformat eignet sich zudem perfekt für die sichere, langfristige Speicherung wichtiger Dokumente.

Signal wird im Gegensatz zu WhatsApp, das zum Meta-Konzern gehört, von einer gemeinnützigen Stiftung entwickelt.

Während bei WhatsApp die Analyse von Meta-Daten durch den Betreiber mehrfach nachgewiesen wurde, verschreibt sich Signal den höchsten Datenschutz-Standards.

Wer Kinder im Umgang mit Daten sensibilisieren möchte, sollte selbst ein Vorbild sein und Anwendungen wie WhatsApp meiden.

Um FOSS an Schulen zu verankern kann man versuchen, einen sanften Umstieg für alle zu ermöglichen:

  • LibreOffice statt Microsoft Office auf dem Desktop anbieten
  • freie Programme für Bildbearbeitung, Videobearbeitung, …

Der Umstieg kann dann gelingen, wenn laufend Hilfestellungen geboten werden und so auch diversen Mythen begegnet wird.

Diese Mythen halten sich leider weiterhin hartnäckig:

Der 2. Teil der Webinarreihe zur Digitalen Souveräntität findet am 28. April statt und konzentriert sich auf konkrete Tools für den Unterricht inklusive Content aus der eduthek, der hierfür verwendet werden kann.

Ein Ausschnitt aus den vielen Tools wird im 2. Teil am 28. April behandelt.

Das waren die Referenten dieses Webinars:


0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert