Am 28. April fand das zweite Webinar zur Digitalen Souveränität auf Initiative des OeAD statt.

Digitale Souveränität ist spätestens seit der Ära Donald Trump II in aller Munde und auch der Österreichischen Bundesregierung ein Anliegen. Der Digitale Aktionsplan sowie die Initiative von Staatssekretär Pröll sind Zeugen dieser Bemühungen.

Digitale Souveränität versteht sich als goldene Mitte zwischen „Digitaler Autarkie“ (wir machen alles selbst) und „Digitaler Abhängigkeit“ (andere entscheiden über uns).

Digitale Abhängigkeit bedeutet die fehlende Fähigkeit, Technologien in punkto Sicherheit zuverlässig zu bewerten und selbst mitzugestalten (Problem von proprietärer Closed Source Software).

Digitale Souveränität hingegen umfasst eigene Fähigkeiten in Schlüsseltechnologien, Diensten u. Plattformen bzw. greif auf Kooperation mit langfristig vertrauenswürdigen Partnern zurück.

Bei Digitaler Autarkie würde man alles selbst machen (trotz besserer Lösungen vertrauenswürdiger Partner).

Digitale Souveränität umfasst Bereiche wie Cloud, Künstliche Intelligenz, Suchmaschinen, Betriebssysteme, Office, Bezahldienste und vieles mehr – alles Bereiche in denen Europa einen starken Aufholbedarf gegenüber US oder China hat.

Für den Bildungsbereich gibt es zahlreiche freie Software-Anwendungen, die idealerweise plattformunabhängig sind (d.h. für Linux, macOS und Windows zur Verfügung stehen).

Dabei gilt es zu beachten, Kompetenzen und keine Produkte zu lehren! Eine frühe Produktbindung treibt Jugendliche zwangsweise in die Abhängigkeit von teurer Software (z.B. Microsoft 365), welche nur für die Schullaufbahn gratis bereit gestellt wird, darüber hinaus aber Kosten verursacht.

Das Bildungsministerium betreibt seit einiger Zeit eine Webseite zum Einsatz Freier Open Source Software im Schulbereich: https://www.bmb.gv.at/Themen/schule/zrp/dibi/foss.html

In den letzten Jahren ist auch ein Paradigmenwechsel bei der Entwicklung eigener Software zu erkennen. Zentrale Komponenten wie das Bildungsportal, die digitale Prüfungsumgebung, die Lernplattform oder der OER-Contentpool werden mittlerweile als Freie Open Source Software entwickelt.

Für den Unterricht zentral sind die Lernplattform eduvidual.at sowie die eduthek.

eduvidual.at ist ein zentral verwaltetes Moodle-System mit der Möglichkeit zur Vernetzung über Schulgrenzen hinaus. Moodle wurde 2023 vom renommierten Forbes-Magazin zum Lernmanagementsystem des Jahres gekürt. Die Lernplattform wird im im Rechenzentrum des Bildungsministerium gehostet. Die Weiterentwicklung orientiert sich an den Wünschen & Visionen der Österreichischen Moodle-Community.

Die eduthek stellt OER-Inhalte für alle Lehrerinnen und Lehrer dauerhaft und kostenlos über eduvidual.at zur Verfügung.

Gemäß der UNESCO Defintion handelt es sich bei Open Educational Resources (OER) um Bildungsmaterialien jeglicher Art und in jedem Medium, die unter einer offenen Lizenz stehen. Eine solche Lizenz ermöglicht den kostenlosen Zugang sowie die kostenlose Nutzung, Bearbeitung und Weiterverbreitung durch Dritte ohne oder mit geringfügigen Einschränkungen.

Die Bildungsplattform edutube liefert journalistisch verlässlich recherchierte Kurzvideos und Dokumentationen in öffentlich-rechtlicher Qualität, die inhaltlich als Ergänzung und Unterstützung für den digitalen Unterricht geeignet sind. edutube-Videos können direkt in eduvidual.at eingebettet werden.


Die Verwendung von freier Software bzw. der Sinn der digitalen Souveränität lässt sich am besten vermitteln, wenn man diese auch im Unterricht nutzt!

Digitale Souveränität an Schulen beginnt bereits beim Betriebssystem. Das kann von der dauerhaften Nutzung am Standort bis zum themenbezogenen Einsatz in Informatik oder Digitaler Grundbildung reichen.

Dass auch die Geräteinitiative hervorragend mit Linux auf den Laptops der Kinder umsetzbar ist, zeigen zahlreiche Schulen von OSOS Austria wie z.B. das BRG Kremszeile, das Gymnasium Dachsberg oder das Gymnasium Hartberg.


Wer diesen Schritt (noch) nicht wagen möchte kann einfach in die Welt der Linux-Distributionen schnuppern: https://distrosea.com/de/

Einen Schritt weiter geht die Möglichkeit, bootfähige USB-Sticks für den Unterricht zu erzeugen. Tools wie Ventoy bieten sich hierfür an. Im Unterricht lassen sich in diesem Zusammenhang auch gleich Themen wie BIOS/UEFI, Recovery, Datenrettung usw. behandeln.


Basisfunktionen eines Betriebssystems (Dateimanager, Installation-/Deinstallation von Programmen, …) lassen sich sehr gut mit allen der oben genannten Weg vermitteln. Eine geeignete Distribution für den Einstieg stellt Ubuntu Linux dar.

Mozilla Firefox ist der einzige Browser mit freier Browser-Engine. Während die Chrome-Derivate von Google stammen und Safari von Apple entwickelt wird, steht hinter Mozilla Firefox die gemeinnützige Mozilla Stiftung.

DuckDuckGo ist eine Websuchmaschine, die keine persönlichen Informationen sammelt und die Privatsphäre ihrer Nutzer an die erste Stelle stellt. Aus diesem Grund werden keine IP-Adressen gespeichert, keine Informationen über Besucher protokolliert und Cookies nur verwendet, wenn sie absolut notwendig sind.

Ecosia als europäische Suchmaschine anonymisiert Suchanfragen und löscht diese nach einer Woche. Die Suchmaschine gilt als datenschutzfreundlich. Gewinne fließen in Umweltprojekte.

Mistral AI ist ein französisches Softwareunternehmen, das sich mit künstlicher Intelligenz beschäftigt und unter den europäischen Unternehmen der Branche führend im Bereich Großer Sprachmodelle ist. Mistral AI kann auch bei der KI-Suche https://duck.ai als Standard definiert werden.

LibreOffice besteht aus den Modulen Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Präsentation, Vektorgrafik, Datenbank und Formeleditor. Das Look & Feel kann zwischen klassischer Ansicht und Microsoft-ähnlicher Ribbon-Darstellung umgeschalten werden.

Freie Office Suiten wie LibreOffice, Collabora Desktop oder OnlyOffice vereinen zahlreiche Vorteile:

Unabhängig von der Frage welche Office Umgebung nun die beste sei, gilt es dringend mit vorhandenen Mythen aufzuräumen. Microsoft Office ist weder eine Voraussetzung für Erfolg im Beruf noch ist diese Software ein Standard und schon gar nicht wegen der phänomenalen Qualität. Kinder und Jugendliche, die Kompetenzen in einer freien Office Suite erworben haben, werden sich später genau so gut auch in jeder anderen Office Umgebung zurecht finden! Dabei gilt es festzuhalten, dass auch LibreOffice immer mehr auf dem Vormarsch ist (z.B. im Justizministerium, beim Bundesheer, usw.).

GIMP ist ein freies, plattformunabhängiges Bildbearbeitungsprogramm das seit Jahren als kostenlose Alternative zum kostenpflichtigen Software-Angebot im Grafikbereich etabliert ist. Aktuell steht GIMP in der Version 3.2.4 bereit.

GIMP eignet sich hervorragend für den Bildungsbereich sowie für alltägliche Bildbearbeitungen. Die Konzepte in GIMP lassen sich später problemlos auf ähnliche Produkte verwenden, die im spezialisierten Multimedia Bereich zur Anwendung kommen.

Typische Konzepte sind Skalieren, Zuschneiden, Freistellen, Ebenen, Farbmanagement, Text sowie Klonen/Heilen. Die manuelle Erstellung von Fotomontagen mit GIMP schult die zugrunde liegenden Konzepte wie Bildauflösung, Ebenen, Transparenz und vieles mehr – der reine Fokus auf KI-Tools würde das tiefergehende Verständnis nicht / kaum schulen.

Inkscape ist eine freie, plattformunabhängige Software zur Bearbeitung und Erstellung zweidimensionaler Vektorgrafiken. Das Programm eignet sich zum Erstellen einseitiger Dokumente wie Logos, technischen Diagrammen, Flugblättern, Postern, usw. Arbeitsdateien werden im SVG-Format gespeichert, einem quellenoffenen, auf XML basierenden Standard. Aktuelle Version: 1.4.3

Grundlegende Konzepte umfassen das Arbeiten mit Hilfslinien, geometrische Figuren, Füllung und Kontur, Pfade – insbesondere Bezier-Kurven – Text und Ebenen. Bezier-Kurven ermöglichen beliebige Formen und eignen sich sowohl zum Nachbau bestehender Figuren als auch zur Gestaltung komplett eigener Werke.

MuseScore ist ein Programm für Notenerstellung und Musiknotation. Mit MuseScore kann man Noten wie auf Papier eingeben (per Maus, Tastatur oder MIDI-Keyboard), sie automatisch abspielen lassen und professionell formatieren.

Anwendungsbeispiele:

  • Komponieren: Eigene Melodien oder ganze Stücke erstellen und anhören
  • Arrangieren: Musik für verschiedene Instrumente umschreiben (z. B. Klavier → Band)
  • Üben: Noten abspielen lassen, Tempo verändern oder einzelne Stimmen isolieren
  • Noten drucken/exportieren: Als PDF oder Audio-Datei weitergeben

Einsatz im Schulunterricht:

  • Musiktheorie: Schüler sehen direkt, wie Noten klingen (z. B. Intervalle, Akkorde)
  • Eigenes Komponieren: Kreative Aufgaben wie „Schreibe eine kurze Melodie“
  • Gruppenarbeit: Klassen arrangieren gemeinsam ein Lied
  • Hörtraining: Lehrkräfte können Übungen erstellen, die Schüler am Computer anhören und analysieren

Blender dient zur Erstellung und Bearbeitung von 3D-Grafiken, Animationen und visuellen Effekten. Mit Blender kann man aufwändige 3D-Modelle entwerfen, Szenen gestalten, Materialien und Licht setzen sowie Bilder oder Filme daraus rendern.

Einsatz im Schulunterricht:

  • Darstellende Geometrie: Schulen des räumlichen Darstellungsvermögens
  • Animationen

Xournal++ setzen wir im Klassenzimmer in Kombination mit Wacom-Tablets ein. Durch dieses Setting dreht die Lehrkraft den Schülerinnen und Schülern nicht den Rücken zu. Gleichzeitig stehen die Unterrichtsinhalte nach dem Unterricht online zur Verfügung.

Die freie Videokonferenzlösung BigBlueButton kann direkt im Webbrowser ohne Installation einer eigenen App genutzt werden. Die Entwicklung von BBB orientiert sich an den Bedürfnissen des Bildungsbereichs.

Audacity ist ein freier Audioeditor und -rekorder. Als solcher kann Audacity Ton aufnehmen, bearbeiten und Effekte darauf anwenden. Auf beliebig vielen Spuren können Audiodateien gemischt und bearbeitet werden.

Anwendungsmöglichkeit in der Schule: Aufnahme und Bearbeitung von Podcasts

Kdenlive ist eine freie, nichtlineare Videoschnittsoftware. Mit Kdenlive ist es möglich, mehrere Bild- und Tonspuren zu bearbeiten. Der relativ große Funktionsumfang siedelt das Programm in etwa auf dem Niveau von kommerziell erhältlicher professioneller Software an.

Filius ist eine kostenlose Simulation von Computer-Netzwerken. Die Software richtet sich an Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe und zielt darauf ab, das Verständnis für Internetstrukturen und -funktionen zu fördern.

Typische Konzepte: IP-Adresse, ISO/OSI-Schichtenmodell, DHCP, DNS, www, E-Mail

KeepassXC ist ein kostenloser, plattformübergreifender Passwortmanager mit Browserintegration und Unterstützung für Passkeys, TOTP und SSH. Im Vergleich zum klassischen KeePass bietet es eine moderne Benutzeroberfläche und eine aktivere Weiterentwicklung. KeepassXC benötigt keine externen Dienste: Alle wichtigen Daten (Benutzernamen, Passwörter, URLs, Anhänge und Notizen) werden in einer verschlüsselten Datei gespeichert, die Sie lokal oder synchronisiert mit Ihrem bevorzugten Cloud-Dienst speichern können.

Digitale Souveränität bietet gerade in der AHS und im Pflichtschulbereich eine Fülle an Anknüpfungspunkten. Die meisten der vorgestellten Tools sind plattformunabhängig und können auch unter macOS oder Windows ausprobiert / genutzt werden.

Wer einen Schritt weiter gehen möchte, stattet auch die Laptops der Geräteinitiative mit Linux als Betriebssystem aus. Für unsere 120-150 Geräte benötigen wir ungefähr 4-5 Stunden Aufwand (vom Auspacken bis zur Übergabe an das Kind | das Imagen pro Gerät dauert ca. 5 Minuten).

Seit kurzem steht auch ein Kinderschutzlösung für Linux bereit: LiFE Parental Control
Wir werden dazu in Kürze in 4 Beiträgen hier auf linux-bildung.at darüber berichten.

Die Referenten bei dem Webinar des OeAD waren wie schon beim ersten Teil Martin Gruber und Rene Schwarzinger von OSOS Austria.


Anbei auch noch der Foliensatz als PDF:


2 Kommentare

Markus · 29.04.2026 um 13:06

Vielen Dank für diesen spannenden Einblick in das Webinar. GIbt es die Folien oder auch das Webinar eventuell auch als Aufzeichnung zum nachsehen?

    Rene Schwarzinger · 29.04.2026 um 15:53

    Die Aufzeichnung zum Webinar wird in Kürze hier abrufbar sein: https://tube.virtuelle-ph.at/
    Gerne verlinke ich beim Beitrag unten auch noch den kompletten Foliensatz als PDF.

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