Die Initiative Future Foundation unter Leitung von Univ.-Prof. Dr. Sarah Spiekermann-Hoff beschreibt sich selbst wie folgt:

Die Future Foundation ist ein interdisziplinäres Forum fachlich profilierter und unabhängiger Persönlichkeiten.

Sie macht sich zur Aufgabe, Orientierung stiftende, alltagstaugliche Leitlinien zu dringenden und zukunftsweisenden Fragen des guten Lebens in einer digitalen Welt zu erarbeiten.

Im Zentrum steht die Sicherung der Menschenwürde und das Ziel, die digitale Entwicklung human und demokratisch zu gestalten.

Hervorzuheben in dieser illustren Runde ist u.a. Prof. Dr. Paula Bleckmann, Medienpädagogin aus Deutschland, die u.a. das Buch „Heute mal Bildschirmfrei“ verfasst hat und sich intensiv mit digitaler Sucht beschäftigt.

10 Regeln für die Digitale Welt

Auf der Homepage der Initiative findet man u.a. 10 Regeln für die Digitale Welt:

1. Erhebt digitale Technik nicht zum Selbstzweck.

2. Schreibt Maschinen keine Menschlichkeit zu.

3. Schafft Raum für Muße und analoge Begegnung.

4. Garantiert den Erhalt sozialer und demokratischer Kompetenzen.

5. Zerstört nicht Natur und Leben für den technischen Fortschritt.

6. Behandelt Menschen nicht als bloße Datenobjekte.

7. Lasst Euch nicht Eurer menschlichen Potenziale berauben.

8. Sorgt Euch um die Wahrheit und verleugnet nicht die Grenzen der Technik.

9. Nutzt Maschinen nicht, um die Freiheit Anderer zu untergraben.

10. Verhindert Machtkonzentration und garantiert Teilhabe.

Zum Punkt 10 sei aus aktuellen Anlass auf 2 ORF-Dokumentationen verwiesen, welche am 12. August 2026 in ORF 1 ausgestrahlt wurden:

https://on.orf.at/video/14334766/die-gefaehrlichsten-firmen-der-welt-big-tech-12-der-aufstieg-der-datenkrakenhttps://on.orf.at/video/14334767/die-gefaehrlichsten-firmen-der-welt-big-tech-22-milliarden-manipulation-macht

Bildung 2050

In der Initiative Bildung 2050 – Eine Vision für das KI-Zeitalter werden 4 zentrale Punkte an die (Bildungs-)Politik gerichtet:

  1. Neue Lerninhalte für kritisches Denken
    • Technik produzierend statt konsumierend erlernen
    • Vermitteln, was den Menschen von Maschinen unterscheidet
    • Lebenswissen rekultivieren
  2. Reform der Inhalte-Vermittlung – Denken reaktivieren
    • „Taschenrechnerregel” – KI-Einsatz erst nach Festigung eigenen Könnens
    • KI als administrative Unterstützung der Lehrenden statt Pädagogik-Ersatz
    • Jahrgangsübergreifendes Lernen systematisieren
  3. Bildungseinrichtungen digital souverän gestalten
    • Ruhe und analoge Begegnung in Bildungsräumen – „Raucherzonen” für Digitales
    • Die Pharmaformel: Digitales nur da, wo die positive Wirkung nachgewiesen wurde
    • Bildungssoftware braucht Gütesiegel und muss freies Nutzen, Verstehen, Teilen und Verbessern erlauben.
  4. Regulierung für starke Familien und Bildungseinrichtungen
    • Bildungsfinanzierung nur für Bildungserfolg
    • Dumbphones bis Ende des 15. Lebensjahres per Gesetz
    • Aufklärung von Familien über Entwicklungsschäden durch Digital-Produkte
    • Schulumfeld von elterlicher Überwachung und Überkommunikation freihalten

OSOS Austria unterstützt diese Initiative

Punkt 3 der Initiative stellt dabei eine ureigene OSOS-Forderung dar: Freie Open Source Software als Standard im Bildungswesen

Die im Bildungssektor eingesetzte Technik – vor allem Lernsoftware – sollte nicht an bestimmte, kommerziell angebotene Digital-Produkte heranführen, sondern open source, open code, für eine freie Weiternutzung (REUSE) lizenziert, transparent und gut dokumentiert sein – dies auch im Interesse europäischer digitaler Souveränität.

Wir gehen sogar einen Schritt weiter indem wir diese Forderung auch auf den Inhaltsbereich umlegen. Lerninhalte sollen primär als OER (open educational ressources) für die Lehrkräfte zur Verfügung stehen. So ist eine planbare Nutzung über einen längeren Zeitraum garantiert – Lehrkräfte können sich darauf verlassen, dass ein Content für den Unterricht auch in einigen Jahren noch frei genutzt werden kann. Für die Erstellung und Weiterentwicklung würde sich auch für EdTech-Firmen ein Geschäftsmodell ergeben.

Daher: Bildungstechnologie und Bildungscontent als Allgemeingut ganz im Sinne von public money, public code!

https://publiccode.eu

Eine langjährige Forderung von unserer Seite erfährt in dieser Initiative durch die „Taschenrechnerregel“ in Punkt 2 ihre Bestätigung: die Kinder und Jugendlichen müssen sich zuerst grundlegendes Wissen & Können aneignen bevor KI als Werkzeug zugelassen sein soll. Ein Textverständnis entwickelt sich beispielsweise nicht durch die Eingabe eines Prompts in einem Large Language Modell sondern durch viel Lesen und eigenem Verfassen von Texten.

Die Notwendigkeit eines eigenständigen Informatik Unterrichts, welcher weit über Medienbildung hinaus geht, wird einmal mehr im Punkt 1 bestätigt

Schulische Bildung sollte daher von klein auf beibringen, Technik zu „begreifen“, und zwar angefangen von Grundlagen der Elektrotechnik, Hardware und Software bis hin zu Formen der KI, Algorithmierung und Robotik. Der entsprechende Unterricht muss enaktiv, das heißt praktisch handelnd und produzierend statt konsumierend gestaltet sein und zum kritischen Hinterfragen befähigen.

Die Forderung von Dumbphones bis Ende des 15. Lebensjahres per Gesetz (Punkt 4) ist eine einfache Möglichkeit zur Durchsetzung eines Jugendschutzes.

Wir haben hier auf linux-bildung.at auch schon über andere Jugendschutz-Maßnahmen berichtet – siehe dazu u.a. https://linux-bildung.at/2025/11/buch-tipp-generation-tiktok/ oder die Kinderschutz-Software Life Parental Control. Mittlerweile ist dieses Thema im breiten öffentlichen Diskurs angekommen und zahlreiche Länder haben auch schon Maßnahmen zur Umsetzung skizziert, wenngleich eine EU-weite einheitliche Lösung geboten ist.


Dumbphones sind die minimalistische Alternative zum modernen Smartphone. Die schlicht gehaltenen Handys konzentrieren sich auf grundlegende Funktionen wie Telefonie und SMS. Das macht sie vor allem für Menschen attraktiv, die einfach nur erreichbar bleiben möchten, ohne die ständigen Ablenkungen durch Messenger, News-Apps und andere Benachrichtigungen. Dumbphones punkten mit einfacher Bedienung, langer Akkulaufzeit und oft auch mit einer robusten Bauweise. (Quelle: chip.de)

Dass Digitale Souveränität wichtig für die Demokratie ist, haben wir beispielsweise in folgender Webinar-Zusammenfassung ausführlich erklärt:

Im Buch „Nexus – Eine kurze Geschichte durch die Informationsnetzwerke von der Steinzeit bis zur künstlichen Intelligenz“ beschreibt Yuval Noah die Notwendigkeit einer Ausgestaltung von KI im Sinne des digitalen Humanismus. Eine starke Regulierung durch die Europäische Union ist hierbei ein wichtiger Faktor zur Bewahrung unserer demokratischen, menschlichen Ordnung.

Abschließend sei die „Pharmaformel“ aus Punkt 3 der Initiative Bildung 2050 erwähnt, welche verhindern soll, dass unsere Kinder und Jugendlichen zu Versuchskaninchen im Bildungswesen werden. Zu oft wurde schon unter Einsatz enormer finanzieller Mittel auf Technologie gesetzt (Laptop-Klassen, Smartboards, Tablets, …) ohne einen gesicherten Mehrwert garantieren zu können. Das Zurückrudern in der Dänischen Bildungspolitik ist hier nur ein bekanntes Beispiel und Künstliche Intelligenz ist der nächste Hype im Bildungssystem, der mehr Schaden als Nutzen bringen könnte.

Weiters sei an dieser Stelle auch noch einmal auf eine kritische Auseinandersetzung mit Gütesiegeln verwiesen – auch hierüber haben wir bereits berichtet:


Hinweis

Online PUBLIC HEARING zu Bildung 2050,
Montag 7.9.2026, 18:00 Uhr für alle Interessierten via Zoom
https://wu-ac-at.zoom.us/j/69084642179?pwd=jVb8C5G5jaUd7laExaquVVk4nHeYaq.1


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