Überwachung I

Veröffentlicht von admin am

Seit dem die österreichische Regierung überlegt, ihre Bürger mit Hilfe von Telekommunikationsunternehmen zu überwachen, wird dieses Thema wieder verstärkt in den Medien diskutiert. Ich hoffe, dass das Thema Überwachung noch mehr an Fahrt aufnimmt, denn so richtig diskutiert wurde das in diesem Land nie. Das zeigt sich schon daran, dass die meisten den Namen Edward Snowden gar nicht kennen.
Ich denke es ist Zeit für ein paar Beiträge zu diesem wichtigen Thema.
Die New York Times hat vor kurzem einen absolut lesenswerten Artikel – One Nation, Tracked – über Handytracking online gestellt. Darin wird auch der Universitätsprofessor Paul Ohm zitiert:

„Describing location data as anonymous is a completely false claim that has been debunked in multiple studies, longitudinal geolocation information is absolutely impossible to anonymize.”

https://www.nytimes.com/interactive/2019/12/19/opinion/location-tracking-cell-phone.html

Standortdaten als anonym zu bezeichnen ist eine völlig falsche Behauptung, die in mehreren Studien entkräftet wurde, da es absolut unmöglich ist, longitudinale Geolokalisierungsinformationen zu anonymisieren.
Auch auf anderen Webseiten finden sich genügend Belege, dass es anonyme Daten nicht gibt:

https://netzpolitik.org/2019/weitere-studie-belegt-luege-anonymer-daten/

https://www.scinexx.de/news/technik/big-data-anonymisieren-reicht-nicht/

https://www.heise.de/newsticker/meldung/36C3-Wie-gaengige-Methoden-zur-Anonymisierung-von-Daten-versagen-4624450.html

Warum werden die Daten dann anonymisiert oder psyeudoanonymisiert? Weil anonymisierte Daten der DSGVO nicht mehr unterliegen.

Dass Handy-Tracking schon ein alter Hut ist, beweisen einige älter Artikel.

https://www.zeit.de/datenschutz/malte-spitz-vorratsdaten
https://www.zeit.de/digital/datenschutz/2011-02/vorratsdaten-malte-spitz

https://netzpolitik.org/2014/metadaten-wie-dein-unschuldiges-smartphone-fast-dein-ganzes-leben-an-den-geheimdienst-uebermittelt/

Aus den Metadaten lassen sich sehr viele Dinge ableiten, nicht nur Bewegungsprofile sondern z.B. welches Verkehrsmittel wir benutzen, wo wir wohnen, wo wir arbeiten, wo wir auf Urlaub hinfahren,… Verknüpft man die Metadaten der Handys mit Daten die öffentlich im Internet zur Verfügung stehen, lassen sich damit sehr klare Profile erstellen. In Österreich gibt es mittlerweile auch die Registrierungspflicht von SIM-Karten. Somit lässt sich jeder Nummer sofort auch eine Person zuordnen. Trotzdem versucht die Politik weiter zu verharmlosen und beschwichtigt mit Aussagen: „Es sind nur Metadaten“.
Dazu passt ein Zitat vom ehemaligen Geheimdienstchef der USA Michael Hayden der sagt:

„We Kill People Based On Metadata“.

https://www.youtube.com/watch?v=UdQiz0Vavmc

Wenn jetzt 7 Mio. Menschen in Österreich unter Generalverdacht gestellt werden, und die Bewegungsprofile der Handys ausgewertet werden, ist das ein massive Eingriff in die Grundrechte.
Was passiert wenn ich dann positiv auf COVID-19 gestestet werde? Wird dann das Bewegungsprofil online gestellt?

Welche Metadaten fallen bei einem Handytelefonat an?

1.) Dauer des Gesprächs
2.) Standort der Gesprächspartner
3.) Anrufende & gewählte Telefonnummer
4.) Beginn und Ende des Telefonats
5.) Erstmaliges Telefonat oder wiederholtes Gespräch

Warum sind die Metadaten für Staaten/Geheimdienste interessanter als die Inhaltsdaten?

1.) Sie sind Standardisiert und von Land/Sprache unabhängig
2.) Aufgrund von 1 lassen sie sich leicht sammeln, verarbeiten und analysieren
3.) Sie lassen sich schwer vermeiden/verschlüsseln
4.) Unser soziales Netzwerk – mit wem kommunzieren wir – wird mit Metadaten offengelegt

Wie funktioniert die Überwachung?

Unser Land ist mit Sendemasten überzogen, am Land etwas weniger als in der Stadt. Die Telekomprovider wissen in welcher Funkzelle bzw. welchem Sendemasten sich das Handy befindet. Wenn ich jetzt mit dem Auto von A nach B fahre, gibt es einen sogenannten Handover von einer Funkzelle zur nächsten. Wird das Handy ausgeschaltet bleibt die letzte aktive Funkzelle im System der Telekomanbieter gespeichert. Nachdem sich die Funkzellen vor allem in den Städten überlappen kann auch die Position ganz gut bestimmt werden.
Das war jetzt sehr verkürzt und einfach dargestellt. Technisch gesehen gibt es zwei Methoden, die ihr gerne auf Wikipedia nachlesen könnt.

Wir leben im fortschrittlichsten Überwachungssystem der Welt. Dieses System wurde nicht absichtlich geschaffen. Es wurde durch das Zusammenspiel von technologischem Fortschritt und dem Gewinnstreben geschaffen.

Solange das Telefon eingeschaltet ist, enthüllt es das Verhalten seines Besitzers. Und wenn es ab und zu mal nicht an ist, können die Informationen ausreichen, um ein sehr klares Profil zu erzeugen.

In diesem Beitrag ging es nur um Metadaten eines einfachen Telefons. In ein oder zwei weiteren Beträgen, möchte ich noch weitere Szenarien aufzeigen, die die weitere Profilbildung der Nutzer ermöglicht. Ziel wäre ein Bewußtsein zu schaffen, dass wir mit unseren Daten sorgsam umgehen sollten und daraus folgend, wie wichtig Datensouveränität ist. Wer Datensouveränität ernst meint, ist gezwungen, Freie Open Source Software zu verwenden.

Kategorien: DachsbergPrivatsphäre

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