Die Chromebooks, die im Herbst an die Schulen ausgeliefert wurden können leider nicht mit einem Standard-ISO bespielten USB-Stick gebootet werden. Vermutlich will das Google nicht und es wurde leider auch nicht als KO-Kriterium in die Ausschreibung bei der Beschaffung der Geräte definiert. Es gibt nämlich sehr wohl Chromebooks, die mit einem Standard Ubuntu/Mint/Debian/… USB-Stick booten können. GalliumOS führt hier eine interessante Liste, die zeigt, welche Chromebooks einfach mit Linux bestückt werden können und welche nicht.

Viele Chromebooks, die bis jetzt ungenutzt noch in ihrer Verpackung herumliegen, können wir jetzt auch für Schularbeiten nutzen, da wir eine Möglichkeit gefunden haben, sie per USB-Stick zu booten.

Die Standard-Firmware in den Acer Chromebooks erlaubt es nicht Legacy-Boot zu nutzen. Nach vielen Versuchen eine modifizierte Firmeware (Coreboot) aufzuspielen, hab ich diesen Weg nicht weiter verfolgt. Im Zuge dieser Recherchen bin ich dann auf ein interessantes Projekt gestoßen, https://milkydeveloper.github.io/cb-linux das den ChromeOS-Kernel verwendet und somit die Firmeware nicht geändert werden muss.

A new Linux for Chromebooks
Breath bootstraps Linux the way Chromebooks like it. It doesn’t rely on ChromeOS or custom firmware and supports all drivers on modern (post 2018) Chromebooks.

https://milkydeveloper.github.io/cb-linux

USB-Stick erstellen Teil 1

Einen passenden USB-Stick zu erstellen ist mit dem Skript von hier kein großer Aufwand.

git clone https://github.com/MilkyDeveloper/cb-linux && cd cb-linux
bash setup.sh gnome focal-20.04

Je nach Internetanbindung und Prozessor ist das in 10-20 Minuten erledigt.

Im nächsten Schritt muss das Chromebook vorbereitet werden. Dazu muss das Chromebook in den Developer-Modus versetzt werden. Vorsicht, die Aktivierung des Entwickler-Modus löscht alle Daten auf dem Chromebook.

Developer-Modus aktivieren

1.) Schalte dein Chromebook aus.

2.) Drücke gleichzeitig auf Esc + F3 (Reload-Button) und den Power-Button. Das Chromebook wird eingeschaltet und du wirst aufgefordert, ein Medium für die Wiederherstellung einzulegen.

3.) Wenn am Bildschirm „Medium zur Wiederherstellung einlegen“ erscheint drücke die Tastenkombination Ctrl+D.

4.) Drücke zur Bestätigung die Enter-Taste. Das Chromebook startet neu. Sobald die Umwandlung abgeschlossen ist, siehst du einen Hinweis, dass die OS-Verifizierung aus ist. Dieser Hinweis erscheint künftig immer.

5.) Drücke auf dem Bildschirm „OS-Verifizierung“ auf Ctrl+D. Dein Chromebook ist jetzt im Entwickler-Modus.

6.) Drücke auf dem Homescreen auf Ctrl+Alt+F2. Dies öffnet ein Konsolenfenster, also ein schwarzes Fenster mit weißem Text.

7.) Log dich ein und tippe am Prompt sudo crossystem dev_boot_usb=1 ein.

8.) Drücke auf die Enter-Taste. Dies führt den Befehl aus.

9.) Starte das Chromebook neu und stecke den USB-Stick, von dem du booten möchtest, ein.

10.) Drücke die Tastenkombination Ctrl+U wenn am Bildschirm „OS-Verifizierung“ zu lesen ist. Das Chromebook bootet jetzt vom USB-Stick.

USB-Stick absichern – Teil 2

Auf dem unter Teil 1 erstellten Stick befindet sich ein Standard-Ubuntu, das noch einige Adaptierungen benötigt. Für diese Änderungen gibt es ein Ansible-Skript. Das hat mehrere Vorteile.

a.) Es ist nachvollziehbar, welche Anpassungen vorgenommen werden.

b.) Bei Bedarf können schnell Adaptierungen durchgeführt werden.

c.) Jede Schule kann für sich das Gitlab-Repository klonen und als Startpunkt für weitere Änderungen nutzen.

Nach dem Booten öffnet man ein Terminal und führt folgende Befehle aus

apt update -y
apt install ansible -y

/usr/bin/ansible-pull -i "localhost" -e ansible_python_interpreter=/usr/bin/python3 -d /var/lib/ansible -U https://gitlab.com/osos_client/ansible-chromebook-pruefungsstick.git


Folgende Anpassungen werden damit umgesetzt
a.) Ein Benutzer „student“, der beim nächsten Booten automatisch eingeloggt wird, wird angelegt.
b.) Eine Firewall wird installiert und aktiviert. Diese erlaubt Zugriff zu einen PDF-Drucker. Die SuS. können während der Schularbeit jederzeit ihr Dokument drucken. Dadurch wird auf einem Server ein PDF-Dokument erstellt. Der LuL. hat per Browser mit entsprechenden Zugangsdaten Zugriff auf diese Dokumente. Damit kann z.B. überprüft werden, ob beim Abgeben auch die letzte Version gespeichert wurde.
c.) Eine aktuelle Version von Geogebra wird installiert. (Mathematikschularbeiten…)
d.) Anpassungen an Zeitzone, Ländereinstellungen und Sprache werden vorgenommen.
e.) Ein paar Einstellungen unter Gnome,.. werden gemacht – z.B. Energie-Einstellungen, kein Lock-Screen, kein Bildschirmschoner, Dash mit den notwendigen Icons,. Updates deaktivieren…

Am Ende ist der Stick fertig. Ein nochmaliger Reboot und eine kurze Kontrolle von Libreoffice Writer und Geogebra sollte für den Muster-Stick genügen.

Jetzt geht’s noch um das Vervielfältigen. Dazu den Stick in ein gebootetes Linux stecken und dort folgenden Befehl ausführen.

dd if=/dev/sdX of=/home/USER/chromestick.iso bs=1M status=progress

Achtung sdX sowie USER müssen noch abhängig von den konkreten Gegebenheiten angepasst werden. Jetzt haben wir ein funktionierendes ISO-Image. Dieses können wir jetzt auf die restlichen Sticks klonen. Entweder mit balenaEtcher oder direkt im Terminal. Auch hier gilt es aufzupassen, damit man nicht die lokale Festplatte als Ziel angibt!

dd if=/home/USER/chromestick.iso if=/dev/sdX bs=1m status=progress 

Mit dieser Lösung haben wir den schulischen Chromebooks neues Leben eingehaucht und können damit jenen SchülerInnen in der Oberstufe ein Gerät für die Schularbeiten zur Verfügung stellen, die keines besitzen.

Literatur:

https://chromium.googlesource.com/chromiumos/docs/+/master/developer_mode.md

https://milkydeveloper.github.io/cb-linux/
https://wiki.galliumos.org/Hardware_Compatibility#cite_note-GeminiLake-15


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