Clouddienste – Rahmenbedingungen

Veröffentlicht von Thomas Krupa am

Auf dem Server des Bildungsministerium liegt ein interessantes Dokument mit dem Titel „Rahmenbedingungen für den Einsatz privater Clouddiensteanbieter im IT-gestützten Unterricht“. Das Dokument wurde vom Datenschutzbeauftragten des BM erstellt. Es zeigt einmal mehr wie das Bildungsministerium den großen IT-Konzernen den roten Teppich in den Schulen ausrollt und Datenschutzbedenken bzw. die digitale Souveränität einfach geopfert werden.

Aus technischer wie pädagogischer Sicht ist es … sinnvoll, diese privaten Clouddiensteanbieter (im Wesentlichen nach derzeitigem Stand: Apple iCloud, Google G-Suite, Microsoft Office365) auch im schulischen Umfeld zu nutzen.

Warum das so sein soll wird im Dokument nicht wirklich erklärt. Ich stelle mir nur die Fragen:

Warum wollen wir uns von den großen IT-Konzernen abhängig machen?
Warum zeigen wir den Schülerinnen und Schülern nicht Alternativen, bei der Nutzer / die Nutzerin entscheidet was mit den Daten geschieht. Warum beginnen wir nicht auf österreichische oder europäische Dienste zu setzen? Das würde hier Arbeitsplätze schaffen und Wertschöpfung und Know-How generieren. Je früher wir damit beginnen, desto früher sind wir nicht mehr von den großen Abhängig.

Dabei ist zu berücksichtigen, dass auf Grund der Größe der Benutzergruppe (ca. 6000 Schulen, 120.000 Lehrer/innen, 1,2 Mio. Schüler/innen; ca. 40% davon an Bundesschulen) eine (entgeltliche) Beauftragung und Einrichtung einer österreichischen Hosting-Lösung3 (derzeit) kapazitäts-, performance- und kostenbedingt nicht realisierbar scheint.

Wurde hier bei zB. bei österreichischen Hosting-Providern nachgefragt, ob diese eine Lösung umsetzen könnten?
Warum muss diese Lösung zentral sein? Könnte ein Aufteilen auf Länder/ Bildungsregionen eine mögliche Lösung sein?

Es gibt für das Problem schön Lösungen aus Österreich: Eduvidual hostet Moodle für viele Schulen. Die Edugroup hostet Moodle für alle Pflichtschulen in Oberösterreich. Ähnliches passiert in Tirol beim Tiroler Bildungsserver. Ich bin davon überzeugt, dass diese auch Nextcloud, Open-Xchange, CryptoPad, OnlyOffice und wie sie alle heißen genauso hosten könnten, wenn man ihnen

a.) das zutraut
b.) sie entsprechend finanziell unterstützt.

Gut dann stellt sich die Frage, warum kostet das bei z.B. Microsoft so wenig? Ich würde das ganze als trojanisches Pferd bezeichnen. Manche nennen es auch Drogendealermodell. Zuerst darfst du das gratis benützen, irgendwann bist du abhängig, und du kommst schwer wieder von denen weg. Je früher damit begonnen wird um so besser für den Dealer.
Hier wird nicht mit Geld bezahlt, sondern mit Nutzerdaten der Schüler und Schülerinnen.

Die derzeit bekannten (drei) DataBreach-Meldungen an österr. Schulen beruhen ausschließlich auf PC-Diebstahl durch Einbruch bzw. Emotet-Attacke auf einen lokal gehosteten Exchange-Server und wären bei Cloudlösungen wahrscheinlich nicht eingetreten.

Man könnte jetzt argumentieren, dass bei 6000 Schulen 3 DataBreach-Meldungen nicht viel sind, aber ich finde das jeder Datenklau zu viel ist. Aber auch die großen Clouddienste waren davon schon betroffen.

Ebenso ist auch in anderen Staaten eine Heranziehung privater Clouddiensteanbieter Schulbereich zu erkennen:
• Luxenburg setzt in umfassender Weise im Bildungsbereich auf Microsoft Office 365
• Deutschland (Baden Würtenberg, Bayern, Hessen)

Das ist prinzipiell richtig. Im Dokument werden aber jene, die nicht auf die großen Clouddiensteanbieter setzen einfach außen vor gelassen. Es müssen nicht immer die bekannten IT-Größen sein, wie ein paar Beispiele aus Deutschland zeigen.

Thüringen – auch die LuL. haben für ihre offizielle E-Mail-Adresse einen deutschen Anbieter
In BaWÜ regt sich Widerstand
Hamburg
Schleswieg-Holstein

Es ist schon sehr erstaunlich, welch leichtes Spiel inzwischen Microsoft im BM hat, alle möglichen neuen Produkte auf den bereits abgeladenen Haufen von Office und Co. noch draufzuwerfen. Dem BM wird von MMicrosoft erfolgreich suggeriert, dass dieser Konzern eine Komplettlösung für sämtliche E-Learning-Bedürfnisse liefern kann. Dass dabei datenschutzrechtliche Fragen leichthin übergangen werden, ist Teil der Microsoft-Strategie, versteckt in kilometerlangen und schwer verständlichen Datenschutz-Richtlinien (wenn überhaupt vorhanden).

Wer sich in die Materie vertiefen will, dem emfpehle ich das Buch von Shoshana Zuboff „Überwachungskapitalismus“. Darin findet sich eine interessante und detailreiche Analyse der Entstehung der IT-Moloche und deren Geschäftspraktiken. Es ist haarsträubend, mit welcher Unverfrorenheit diese Konzerne die Nutzer für ihre Gewinnmaximierung missbrauchen.

Umso mehr wäre es geboten, dass Bildungseinrichtungen nicht länger als Multiplikatoren für diese IT-Riesen herhalten, sondern dass wir als Lehrpersonen Bewusstseinsbildung bei unseren Schüler/innen betreiben, bevor die ganze Gesellschaft derart von diesen „Segnungen“ der IT-Konzerne eingelullt ist, dass keine Alternativen mehr vorstellbar sind.

Die alte Dystopie von Orwell (1984) ist längst Wirklichkeit und sie fühlt sich überraschenderweise gar nicht einmal so fürchterlich an – das ist ja das Fürchterliche.

Ich bemerke allerdings sowohl bei Lehrer/innen als auch bei Schüler/innen eine merkwürdige Gelassenheit diesen Themen gegenüber – ein umso leichteres Spiel haben die IT-Riesen in unserer Bildungslandschaft, vom BM bis hinunter zu den mit iPads „beglückten“ Kindergartenkindern.

Dass Datenschützer, die diese Dinge mit Sorge beobachten, als „selbsternannt“ lächerlich gemacht werden, passt ebenfalls ins Konzept und ist vermutlich auf dem Misthaufen diverser Lobbyisten gewachsen, die im Ministerium aus und ein gehen.

Abschließend ein paar weiterführende Links zu diesem Thema

https://netzpolitik.org/2018/wie-microsoft-europa-kolonialisiert/

https://digitalcourage.de/kinder-und-jugendliche/leitlinien-digitale-bildung

https://www.heise.de/newsticker/meldung/EU-Experten-warnen-Abhaengigkeit-von-Microsoft-gefaehrdet-die-digitale-Souveraenitaet-3679559.html

https://epicenter.works/content/google-auf-empfehlung-des-ministeriums-massiv-im-einsatz-an-oesterreichischen-schulen

https://www.kuketz-blog.de/bildungswesen-entlarvung-der-haeufigsten-microsoft-mythen/

https://www.kuketz-blog.de/kommentar-microsoft-google-apple-und-co-aus-bildungseinrichtungen-verbannen/

https://digital-souveraene-schule.de/2020/08/27/replik-stellungnahme-kultusministerium/

https://www.derstandard.at/story/2000120900142/darf-man-microsoft-office-365-ueberhaupt-noch-nutzen


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