In diesem Beitrag kommen zum ersten Mal Schülerinnen und Schüler zu Wort. VWAs sind Teil der Prüfungsaufgabe im Rahmen der Reifeprüfung. Wir wissen, dass die meisten VWAs mit Microsoft Word geschrieben werden. Einer der Gründe ist, dass das Bildungsministerium auf der Seite https://www.ahs-vwa.at nur auf Word-Dokumente verweist, bzw. Anleitungen ausschließlich für Word zur Verfügung stellt. Alternativen wie LibreOffice/OnlyOffice oder LaTex – Fehlanzeige.

Auf anderen Seiten, wie zum Beispiel www.vorwissenschaftlichearbeit.info, finden sich auch Vorlagen für LibreOffice.

Eine VWA mit LaTeX zu schreiben, hat viele Vorteile gegenüber klassischen Textverarbeitungsprogrammen. Ein paar Schüler*innen haben diese Vorteile als Motivationsschreiben an die 7. Klässler wie folgt formuliert.

Liebe 7. Klässler!

Das Verfassen eurer Vorwissenschaftlichen Arbeit liegt in nicht allzu ferner Zukunft und damit rückt auch die Entscheidung, in welchem Programm eben diese geschrieben werden soll, immer näher. Während in der Vergangenheit die Auswahl zwischen LibreOffice und Microsoft Word erfolgte, hatten wir als erster Jahrgang die Möglichkeit unsere VWA auch in einem anderen Programm namens „LaTeX“ zu verfassen. Da vermutlich nur wenige von euch mit diesem Programm bereits vertraut sind, sollen in folgendem Beitrag die Vor- und Nachteile beziehungsweise unsere eigenen Erfahrungen mit dem wissenschaftlichen Arbeiten in LaTeX vorgestellt werden. Für jene, denen LaTeX noch gänzlich unbekannt ist, hier eine kurze Einführung: LaTeX (gesprochen Latech) ist eine Software, die dem Nutzer das Erstellen von Dokumenten ermöglicht und so als Alternative zu den altbekannten Textverarbeitungsprogrammen verwendet werden kann. Aber welche wesentlichen Unterschiede sind bei der Auswahl zwischen den Programmen zu beachten?

• Zunächst unterscheidet sich das Prinzip von LaTeX wesentlich von dem seiner Mitstreiter Word und LibreOffice. Letztere folgen dem sogenannten „What You See Is What You Get“- Prinzip. Das heißt, euer Dokument sieht genau so aus, wie ihr es in eurem Eingabefenster auch sehen könnt (sprich z.B. kursiv geschriebener Text im Eingabefenster wird auf der gedruckten Version ebenfalls kursiv sein) – das kennt ihr ja bereits. Im Gegensatz dazu baut LaTeX auf das „What You See Is What You Mean“-Prinzip auf. In eurem Eingabefenster seht ihr bei LaTeX daher euer Dokument nicht so, wie es letztendlich aussehen wird! Stattdessen arbeitet ihr mit Befehlen, die euch anzeigen, welche Formatierung der ausgewählte Bereich im Dokument haben soll. Wollt ihr beispielsweise die Wörter „Lorem ipsum“ kursiv setzen, wird das in eurem Eingabefenster folgendermaßen aussehen: \textit{Lorem ipsum}. Dieses Prinzip erscheint zu Beginn verwirrend und bedarf definitiv einer gewissen Zeit, um sich daran zu gewöhnen. Entscheidet man sich für das Schreiben der VWA in LaTeX wird es daher nicht ausbleiben, anfangs einen zusätzlichen Zeitaufwand für das Einarbeiten in die Software zu betreiben. Bei intensiver Auseinandersetzung mit dem Programm, wie es bei eurer VWA der Fall sein wird, freundet man sich mit diesem Prinzip aber relativ schnell an und nach den ersten Seiten werden euch die Befehle immer leichter von der Hand gehen.

• Wer nun bedenken hat, erst ganz am Ende seine VWA so sehen zu können, wie sie wirklich aussieht, den können wir beruhigen. Die meisten Editoren bieten nämlich die Möglichkeit parallel zum Eingabefenster auch die fertige pdf-Datei zu sehen, damit ihr jederzeit feststellen könnt, ob die Ausgabe eurer Befehle auch euren Vorstellungen entspricht. Wieso sollte man nun aber den zusätzlichen Aufwand, die Verwendung eines neuen Programms zu erlernen, auf sich nehmen? LaTeX ist herkömmlichen Textverarbeitungsprogrammen in vielen Hinsichten einen Schritt voraus, die wichtigsten Vorteile führen wir euch hier kurz an:

• Erstens sorgt bei Word als auch bei LibreOffice die Formatierung oft für Probleme und Ärger. Kleinste Änderungen verschieben ganze Seiten, Tabellen und Bilder verrutschen oder sind nicht mehr bei ihrer entsprechenden Beschriftung usw. Ein Leiden, das viele kennen und das zeitaufwändig nachkorrigiert werden muss. Diese Formatierungsprobleme bleiben bei der Nutzung von LaTeX großteils erspart. Es ist dem Nutzer daher möglich, sich voll und ganz auf den Text zu konzentrieren, da LaTeX die gesamte Formatierung entsprechend der festgelegten Regeln übernimmt. Vor allem bei längeren und aufwändigeren Arbeiten macht diese Eigenschaft LaTeX um einiges effizienter. Des Weiteren habt ihr bei der VWA insbesondere den Vorteil, dass jedes eurer Kapitel als separates Dokument in die Formatvorlage eingebunden wird, wodurch die Formatierung nochmals einfacher wird.

• Neben diesem allgemeinen Vorteil ist LaTeX für diejenigen besonders interessant, die sich in ihrer VWA mit einem mathematischen oder naturwissenschaftlichen Thema, das eine vermehrte Verwendung von Formeln oder Grafiken erfordert, beschäftigen. Für die Verwendung von mathematischen Sonderzeichen, Formeln, Gleichungen, Funktionen, eigenhändig erstellter Grafiken etc. ist LaTeX sozusagen gemacht. In diesem Bereich setzt LaTeX seinen Nutzern praktisch keine Grenzen, jedes andere Programm kann hier bei weitem nicht mithalten. Funktionen wie z.B. die folgende können mit den in LaTeX verfügbaren Befehlen ohne Umstände in eurer Arbeit geschrieben werden.

• Auch bei der Erstellung von Grafiken könnt ihr euch gestalterisch austoben und die beinahe unbegrenzten Möglichkeiten nutzen. Dies hebt aber nicht nur die optische Qualität eurer Arbeit, sondern spielt vor allem inhaltlich eine große Rolle. Wollt ihr theoretische Konzepte mittels Grafiken veranschaulichen seid ihr nämlich nicht darauf angewiesen, euch mit fremden Illustrationen zu begnügen und eure Beispiele daran anzupassen. Stattdessen ist es euch möglich Grafiken so zu erstellen, wie sie am besten zu eurem Text passen. Rechts ein kleines Modell, damit ihr euch vorstellen könnt, was mit LaTeX z.B. möglich ist.

• Last but not least, lohnt sich das Einarbeiten in LaTeX auch für jene, die ein naturwissenschaftliches bzw. mathematisches Studium in Betracht ziehen, weil ihr sehr wahrscheinlich im Studium eure Arbeiten ebenfalls in LaTeX verfassen werden müsst. Ein paar Erfahrungen schon mitzubringen schadet sicher nicht! [LateX ist mittlerweile auch bei den sozial-, wirtschatfs-, und geisteswissenschaftlichen Studien angekommen.]

Abschließend bleibt uns nur zu danken, dass uns die „Option LaTeX“ geboten wurde und wir können sie allen, die die entsprechende Motivation und Geduld mitbringen, nur ans Herz legen. Die eine oder andere Fehlermeldung wird euch sicher ein paar Nerven kosten, aber im Endeffekt könnt ihr dann doppelt stolz sein, auch diese Herausforderung gemeistert zu haben 🙂

Danke an Sandra G., Florian O. und Kevin U. für diesen Beitrag.

Weiterführende Links zum Thema

LaTex-Vorlagen:

Allgemeines zu LaTeX:

Kategorien: AllgemeinSoftwareTools

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