Am 25. Oktober hat eine unabhängige Jury aus der Liste der Nominierten die „Gewinner“ dieses Datenschutz-Negativpreises in der jeweiligen Kategorie ausgewählt.


Viele Medien haben leider nur die APA-Meldung publiziert, in der nur die Gewinner genannt wurden.
Ich denke aber dass auch die zweiten Plätze mehr als erwähnenswert sind, vor allem wenn mehr als 1. Mio Österreicher davon betroffen sind. In der Kategorie „Behörden und Verwaltung“ hat Bildungsminister Heinz Faßmann den zweiten Platz blegt.

Das eigentliche Problem sind die Versäumnisse aus den letzten Jahren.

Da in den letzten Jahren keine Österreichische oder Europäische Lösung gefördert oder aufgebaut wurde, bleibt in der Kürze der Zeit nur der Rückgriff auf bestehende Cloudanbieter, was bedeutet, dass die Daten österreichischer Schülerinnen und Schüler von deren Systemen verarbeitet und gespeichert werden. Womit sich automatisch die Frage des Datenschutzes stellt.

Das österreichische Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung unter Minister Faßmann vertritt hier die Position, dass es einfacher ist, US-Cloud-Anbieter als Dienstleister zu wählen, als eigene lokale Lösungen zu suchen, zu unterstützen oder aufzubauen. Dazu ist man auch noch bereit, die Datenschutzbestimmungen der Anbieter zu akzeptieren. Gleichzeitig findet man auf der Website des Ministeriums zum Thema “Datenschutz in Schulen” den Hinweis, dass “Im Zuge der Schulverwaltung an österr. Schulen erfolgt grundsätzlich keine Datenübermittlung an Staaten außerhalb der EU.”

Datenschutz in Schulen

Der Minister und das Ministerium sind also bereit, die digitale Infrastruktur für das gesamte österreichische Bildungssystem US-Konzernen zu überlassen!

Auch wir haben das schon mehrmals kritisiert. Zum Beispiel im Artikel über das Portal Digitale Schule oder über die Geräteinitiative bei der keine freien Open Source Alternativen zur Auswahl stehen, und die Geräte nur über die Cloud amerikanischer IT-Konzerne verwaltet werden können und müssen.

Schon lange fordern wir Alternativen, die

  • die digitale Souveränität stärken
  • Jobs in Österreich schaffen
  • den Datenschutz ernst nehmen
  • unabhängig von amerikanischen IT-Konzernen sind
  • mit freier Open Source Software umgesetzt werden
  • die Transparenz fördern
https://www.educloud-austria.at/

Johannes Hahn, Parteikollege von Dr. Heinz Faßmann und EU-Kommissar fordert mittlerweile Open Source Software.

An quelloffener Software führe da kein Weg vorbei, erklärt der zur Keynote in Bremen zugeschaltete Johannes Hahn, seit Dezember 2019 der EU-Kommissar für Haushalt und Verwaltung in der Kommission von der Leyen. Vor allem die vergangen acht Monate mit Corona hätten den Wert der Digitalisierung gezeigt, aber auch, dass hier „große Investitionen der EU nötig sind, um die Digitalisierung auch in die Fläche zu bringen.“

https://www.heise.de/news/EU-Kommissar-Hahn-Open-Source-Strategie-ist-ein-Zeichen-fuer-Digitalen-Wandel-4941620.html

Die ministerielle Umsetzung spiegelt die Forderung von Johannes Hahn aber in keinster Weise wider. Auch in diversen Papers der EU-Kommission findet sich der Begriff „digitale Souveränität“, aber auch hier mahlen die Mühlen langsam.

Die Kommission ist entschlossen, das kommende Jahrzehnt zur Digitalen Dekade Europas zu machen. Europa muss jetzt seine digitale Souveränität ausbauen und eigene Standards setzen, statt anderen zu folgen. Der Schwerpunkt sollte dabei auf Daten, Technologie und Infrastruktur liegen.

https://ec.europa.eu/info/strategy/priorities-2019-2024/europe-fit-digital-age_de

Ein Umdenken in Bezug auf Datenschutz/Cloud/Vendor-Lock-in/… hin zu freien und transparenten Open Source Systemen im Bildungsministerium ist dringend an der Zeit. Ein neuerlicher Stockerlplatz dieses Negativ-Preises im nächsten Jahr sollte nicht das Ziel sein und ist nicht im Sinne der Schulen und auch nicht im Sinne der Gesellschaft.

Hier geht’s zur Homepage des Big Brother Awards und den heurigen Nominierungen.

Bild von MasterTux auf Pixabay


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